Mitgefühl – Empathie – Aufmerksamkeit – soziales Lernen in der Gruppe
Von Andreas Dudda | 25.Mai 2009
Mitfühlen, sich einfühlen (neudeutsch: Empathie) ist mehr als eine Modeerscheinung unter Pädagogen und auch keine Forderung nach “seid lieb miteinander”. Nein. Mitgefühl ist eine fundamentale Fähigkeit von Menschen, den Anderen und dessen Innenwelt (Motivation, Sichtweisen, Gefühle etc.) zu verstehen, (ganzheitlich) zu erfassen, realistisch wahrzunehmen. Für erfolgreiche Teams ist Mitgefühl ein Schlüssel des Erfolgs. Dieses kann man trainieren.
Mit Blick auf unsere Teamtrainings im Niedrigseilgarten können wir aus Erfahrung feststellen: je mehr die Teilnehmer ein Bewusstsein (bzw. Aufmerksamkeit – Achtsamkeit) auch für andere haben, desto größer ist die Anerkennung und Wertschätzung von sich selbst und von anderen. Durch Emphatie – das Sehen und Verstehen des anderen – findet eine Verbesserung der Kommunikation statt, es wird erfolgreicher miteinander verhandelt und der Gruppenzusammenhalt wird gefördert. Und mehr noch: je aufmerksamer die Teilnehmer für die anderen sind, desto größer ist auch i.d.R. die Hilfsbereitschaft, Unterstützung, Rücksichtnahme und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Beispiel: “Weil ich weiß, dass Du unsicher bist, kann ich Dich stärken.
Ein Team voller Einzelgänger, das nach dem Motto agiert: “Nur die Stärksten überleben” wird schnell bei komplexeren Gruppenaufgaben scheitern – das sehen wir im Niedrigseilgarten und das weiß auch jeder Fussballtrainer. Denn es fehlt der Blick für die anderen. Neben individuellen Stärken sind es u.a. eben auch Eigenschaften wie Mitgefühl oder Aufmerksamkeit, die entscheidend sind a) für den Erfolg des Teams und b) für meinen eigenen privaten und beruflichen Erfolg c) für das eigene Glücklich-sein.
Emphatie hat also nichts mit einer vordergründigen “Seid-lieb-zueinander-Ideologie” zu tun. Im Gegenteil: Gleichheiten aber auch Unterschiede können klar gestellt und bewußt gemacht werden. Ebenso kann ich mein eigenes Handeln in der Gruppe / Team / Mannschaft realistisch und angemessen beurteilen (und verändern), wenn ich weiß – verstehe – mich einfühle -, welche Wirkung ich beim Anderen damit erziele (Motivation? Frust? Ehrgeiz? Angst? Mut?).
Mitgefühl ist also auch eine Grundvoraussetzung dafür, den anderen (zumindest teilweise) zu verstehen, um von hier aus kooperativ und sinnvoll zu handeln. Wo es fehlt, werden Beziehungen und Teamwork kompliziert bis unmöglich.
Im Winter hatte ich eine Gruppe von 16-18jährigen Mädchen im Niedrigseilgarten. An einer Stelle stand die Gruppe vor einer 5 Meter langen Teilstrecke (Drahtseile in Schritthöhe gespannt), die von allem überquert werden musste. Da niemand ohne Hilfsmittel allein dieses Fußseil überqueren kann, kamen die Teilnehmerinnen auf die sinnvolle Idee, ein Handseil / Oberseil zu spannen. Etwa in Kopfhöhe zogen die Teilnehmer also an einem Seil (welches am anderen Ende an einem Baum befestigt war), so dass die jeweilige Person, die das Fußseil überquert, sich gleichzeitig am Oberseil festhalten kann und so stabilisiert ist. Während ein Mädchen auf halbem Wege der Strecke war, ließ die Spannung des Handseil abrupt nach und das Mädchen fiel. Auf meine Frage hin, wieso die eine sichernde Teilnehmerin das zu spannende Handseil denn so plötzlich los ließ, kam als Antwort: “Ich hatte kalte Hände!”
Interessante Links zum Thema:
- Menschen ohne Empathie? Autisten haben Probleme, Gefühle zu erkennen
Quarks & Co > Sendung vom 28. April 2009 - http://www.das-empathische-gehirn.de/blog/
- P.S: Jüngst wurde übrigens ein Artikel veröffentlicht, in dem gar behauptet wird, dass einfühlsame Menschen länger leben würden. Na, wenn dem so ist, dann umso besser :-)
Warum mitfühlende Menschen länger leben
Grafik:
Zur freien Benutzung von http://www.empathysymbol.com
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